Google im Widerspruch? Sprechende URLs und interne Links

Google empfiehlt verständliche URLs und betont zugleich die interne Verlinkung. Ein Widerspruch? Wir prüfen die Quellen und zeigen, warum URL-Tiefe nicht Klicktiefe ist.

ATW3 Redaktion3 Min. Lesezeit
Eine lesbare Produkt-URL und die tatsächlichen Links von der Startseite über Möbel und Stühle zum Holzstuhl.

Google-Aussagen im Faktencheck · Teil 1

Google empfiehlt verständliche URLs. Gleichzeitig beschreibt Google die interne Verlinkung als Grundlage, um Beziehungen und die relative Wichtigkeit von Seiten zu erkennen. Wozu also /moebel/stuehle/holzstuhl, wenn die Schrägstriche allein keine Websitehierarchie erzeugen?

Die Frage ist berechtigt. Ein echter Widerspruch lässt sich daraus aber nicht ableiten. Entscheidend ist, drei Dinge auseinanderzuhalten: die Adresse einer Seite, ihre tatsächlichen Verbindungen und ihre Relevanz für eine Suchanfrage.

In diesem Beitrag

  1. Was Google zu URLs tatsächlich empfiehlt

  2. Was interne Links zusätzlich leisten

  3. Ein Shopbeispiel: URL-Tiefe ist nicht Klicktiefe

  4. Ein Widerspruch – oder zwei unterschiedliche Fragen?

  5. Was daraus für die SEO-Praxis folgt

  6. Fazit

Was Google zu URLs tatsächlich empfiehlt

Google Search Central empfiehlt eine einfache, logische URL-Struktur mit lesbaren Wörtern statt schwer verständlicher Kennungen. Unnötige Parameter sollen nach Möglichkeit entfallen. Eine allgemeine Regel „Je kürzer die URL, desto besser das Ranking“ steht dort nicht. „Kurz und gut merkbar“ ist eine praktische Gestaltungsregel, aber kein belegtes Rankingversprechen. Quelle: Googles Empfehlungen zur URL-Struktur.

/moebel/stuehle/holzstuhl vermittelt beispielsweise mehr Orientierung als /artikel?id=8472. Das macht die erste Adresse verständlicher. Es beweist nicht, dass die zweite Adresse grundsätzlich schlechter ranken muss.

Was interne Links zusätzlich leisten

In seiner Dokumentation für Onlineshops erklärt Google, dass Verbindungen zwischen Seiten helfen, die Websitestruktur zu verstehen. Die benötigten Linkschritte und die Zahl eingehender Links können Hinweise auf die relative Wichtigkeit einer Seite innerhalb der Website geben. Die Empfehlung lautet entsprechend: Kategorien, Unterkategorien und Produkte tatsächlich miteinander verlinken. Quelle: Websitestruktur bei E-Commerce-Seiten.

„Relative Wichtigkeit“ ist dabei nicht dasselbe wie „passt am besten zur Suchanfrage“. Google beschreibt zahlreiche Rankingsysteme und Signale, darunter Linkanalyse und PageRank. Eine höhere Anzahl interner Links allein garantiert deshalb keine bessere Platzierung. Quelle: Überblick über Googles Rankingsysteme.

Ein Shopbeispiel: URL-Tiefe ist nicht Klicktiefe

Nehmen wir einen Möbelshop. Die Produktadresse lautet example.com/moebel/stuehle/holzstuhl. Die Navigation führt über Startseite → Möbel → Stühle → Holzstuhl. Das sind drei Linkschritte, wenn dies der kürzeste verfügbare Weg ist.

Nun erhält die Startseite einen zusätzlichen, sinnvollen Link direkt zum Holzstuhl, etwa in einer kuratierten Produktauswahl. Die URL bleibt unverändert. Der kürzeste Weg vom Startpunkt zum Produkt beträgt jetzt nur noch einen Linkschritt.

Die Produkt-URL bleibt gleich. Ein zusätzlicher Link von der Startseite verkürzt den Weg zum Holzstuhl von drei Linkschritten auf einen.
Eigene Darstellung: Ein zusätzlicher Direktlink verändert die Erreichbarkeit, nicht die Adresse. Das Beispiel ist keine Rankingprognose.

Auch die umgekehrte Situation ist möglich: Ein Produkt unter example.com/holzstuhl kann nur über mehrere Kategorien erreichbar sein. Die kurze Adresse macht den tatsächlichen Klickweg nicht automatisch kürzer. Eine Adresse mit Kategoriebegriffen ersetzt umgekehrt keine Links von den entsprechenden Kategorieseiten.

Ein Widerspruch – oder zwei unterschiedliche Fragen?

Unsere Einordnung: Die Empfehlungen ergänzen sich. Eine verständliche Adresse beantwortet: „Welche Seite ist das?“ Die Verlinkung beantwortet: „Wie komme ich dorthin, und in welchem Zusammenhang steht sie mit anderen Seiten?“ Problematisch wird es, wenn aus einer Empfehlung zur Lesbarkeit eine angebliche Rangfolge nach URL-Länge gemacht wird.

Genauso unzutreffend wäre aber „URL-Verzeichnisse sind Google völlig egal“. Der SEO-Startleitfaden beschreibt beispielsweise, dass thematisch gruppierte Verzeichnisse bei großen Websites die Einschätzung von Änderungsfrequenzen und die Crawlplanung unterstützen können. Das ist ein anderer Zweck als ein pauschaler Rankingbonus für Ordner. Quelle: Google SEO-Startleitfaden.

Was daraus für die SEO-Praxis folgt

  • Adressen verständlich und beständig gestalten. So kurz wie sinnvoll, so beschreibend wie nötig. Eine funktionierende Website nicht allein wegen einiger Schrägstriche umbauen.

  • Wichtige Seiten sinnvoll erreichbar machen. Navigation, passende Kategorien und redaktionelle Querverweise gemeinsam betrachten.

  • Mit Kontext verlinken. Aussagekräftige Linktexte und der umgebende Text helfen beim Verständnis. Google nennt keine magische ideale Linkanzahl. Quelle: Googles Link-Empfehlungen.

  • URL-Tiefe und Klicktiefe getrennt prüfen. Im Crawl nicht nur Adressen zählen, sondern auch verwaiste Seiten, konkrete Verlinkungen und den gewählten Startpunkt betrachten.

Fazit

Die sinnvolle Entscheidung lautet nicht „sprechende URLs oder interne Links“. Gute SEO verbindet verständliche Adressen mit einer nachvollziehbaren Informationsarchitektur. Wer nur Ordner umbenennt, hat damit noch keine Verbindung zwischen Seiten geschaffen. Wer nur möglichst viele Links verteilt, hat damit noch keine gute Nutzerführung gebaut.

In dieser Reihe prüfen wir scheinbar widersprüchliche Google-Aussagen anhand ihrer Quellen und ihres jeweiligen Anwendungsfalls. Für eine Bewertung der eigenen Website betrachten wir bei ATW3 deshalb technische SEO und interne Verlinkung gemeinsam.

Quellenstand: 5. November 2026. Alle verlinkten Quellen stammen von Google Search Central. Die Shopbeispiele und Grafiken sind eigene Erläuterungen, keine gemessenen Rankingexperimente.